Das päpstliche Wappen

Im Zentrum des päpstlichen Wappens steht die Muschel, seit ältesten Zeiten Symbol der Pilgerschaft. Es erinnert darüber hinaus an eine Legende, die der hl. Augustinus erzählt: Ein Kind habe versucht, mit einer Muschel das ganze Meer auszuschöpfen. Vom Hl. Augustinus belehrt, dass dies unmöglich sei, habe das Kind geantwortet, es sei immer noch leichter, als das unbegreifliche Geheimnis Gottes mit dem menschlichen Verstand zu erfassen. Schließlich ist die Muschel auch das Symbol des alten Regensburger Schottenklosters, dem sich Joseph Ratzinger geistlich besonders verbunden fühlt.

Die beiden gekreuzten Schlüssel – einer in Gold, der andere in Silber - gehen auf die Verheißung Jesu an Petrus zurück (Mt 16,19) und sind seit jeher Zeichen der päpstlichen Binde- und Lösegewalt.

Nachdem Papst Paul VI. die Tiara an die Armen verschenkt hatte und die Päpste nach ihm auf eine Krönung mit der Tiara verzichteten, ist die „weltliche“ Kopfbedeckung nunmehr auch aus dem päpstlichen Wappen verschwunden. An ihre Stelle tritt eine bischöfliche Mitra, jedoch mit drei Querbalken, die an die drei Kronreifen der Tiara erinnern und die dreifache Leitungsgewalt des Papstes symbolisieren: Er ist in der Kirche oberster Gesetzgeber, Richter und Inhaber der ausführenden Gewalt. Die drei Reifen sind untereinander verbunden, um zu zeigen, dass diese drei Gewalten an die eine Person des Bischofs von Rom gebunden sind.

Zum ersten Mal erscheint im päpstlichen Wappen nun auch das Pallium, ein Schal, der aus der Wolle von Lämmern gewoben ist. Das Pallium war bereits im ersten Jahrtausend der Kirche Zeichen jener Hirtensorge, mit dem Christus den Bischof von Rom in besonderer Weise betraut hat. Am Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus erhalten die neuernannten Metropoliten (Erzbischöfe) vom Papst ein Pallium überreicht. Das Pallium des Papstes selbst ist größer als das der Erzbischöfe und mit roten Kreuzen bestickt.

Gemäß der heraldischen Tradition wurde der Leitspruch des Erzbischofs und Kardinals Joseph Ratzinger („Cooperatores veritatis“ – Mitarbeiter der Wahrheit) in das päpstliche Wappen nicht übernommen. Dass er diesem Wort aus dem 3. Johannesbrief treu bleibt, daran dürfte aber nicht der geringste Zweifel bestehen.

Pfarrer Reiner Braun