Hl. Korbinian – Hirte und Wegweiser

Die Bronzefigur unseres Pfarrpatrons, des hl. Korbinian, wurde am Pfingstsonntag 1999 in einem feierlichen Gottesdienst enthüllt und gesegnet. Sie stand damals auf der Seite des Tabernakels, an den Stufen zum Altar. Wie die anderen Teile der Innenausstattung von St. Korbinian ist auch diese Statue ein Werk der Bildhauerin Christine Stadler. Es war ihr ein wichtiges Anliegen, mit dieser Bronzefigur „ihre Lohhofer Komposition“ zu vollenden.
Ein Jahr später verstarb Christine Stadler, und so ist es für die Pfarrei St. Korbinian ein Auftrag, dieses ihr Vermächtnis in Ehren zu halten. Nach einiger Zeit wurde die Bronzefigur aus dem Altarraum entfernt und am Ausgang, als Gegenüber zum hl. Antonius angebracht. Seit den Tagen des Advents 2016 hat die Bronzefigur unseres Pfarrpatrons seinen Platz wieder an den Stufen zum Altarraum, diesmal auf der Seite des Ambo, gefunden. Sie bildet den krönenden Abschluss der Ablage des Evangeliars. In der rechten Hand den Hirtenstab, zeigt  sich der hl. Korbinian als Hirte und Patron der Pfarrgemeinde. Mit der linken Hand zeigt er zum Altar und weist sozusagen der Gemeinde den Weg vom „Tisch des Wortes zum Tisch des Brotes“. Die Inschrift auf dem Sockel tröstet alle, die sich ihm näher zuwenden: „Freund des Kummers“ und „Befreier von Sorgen“ ist dort eingraviert.

Aus diesen Gründen, vor allem aber aus Respekt vor dem Gesamtkunstwerk der Bildhauerin Christine Stadler, ist es nicht beabsichtigt, auf dem nun freien Platz am Ausgang der Kirche als Ersatz eine andere Heiligenfigur aufzustellen.

Manfred Utz

 

 

Apsisbild in St. Korbinian –
Christus als Weltenrichter am Ende der Zeiten

„Er sitzt zur Rechten des Vaters / und wird wiederkommen in Herrlichkeit, / zu richten die Lebenden und Toten;“ (aus dem Großen Glaubensbekenntnis)

Christus wird als Weltenrichter am Ende der Zeiten aus dem Osten, dem Bereich der der aufgehenden Sonne erwartet. Die Pfarrkirche von St. Korbinian ist daher exakt nach Osten ausgerichtet, die Gebetsrichtung der Gläubigen wendet sich seit jeher nach Osten. Das Bild in der Apsis ist daher in den Farben der Morgenröte gehalten. Es zeigt Christus mit ausgebreiteten Armen, der am Ende der Zeiten auf den Wolken des Himmels als Weltenrichter wiederkommt. Die ausgebreiteten Arme heißen die Gläubigen willkommen. Die Wundmale an den Händen und Füßen weisen ihn als den Gekreuzigten aus, das strahlend weiße Gewand bezeugt seine Auferstehung und sein ewiges Sein beim Vater. Die aufgehende Sonne ist sein Thron. Die Herrlichkeit des Herrn offenbart sich auch im Lichtglanz der vier Lebewesen, dargestellt als Cherubim mit vier Flügeln. Ihre Gesichter blicken in alle vier Himmelsrichtungen und weisen so auf die Weltherrschaft Jesu Christi hin. Die Wolke am oberen Bildrand ist ein Symbol für Anwesenheit Gottes - in vielen Stellen der Heiligen Schrift so bezeugt. Die aus den Wolken ragende „Rechte Hand Gottes“ ist ein Symbol seiner Herrschaft und seiner Wirkmächtigkeit. Die drei gespreizten Finger bezeugen die Dreifaltigkeit des einen Gottes und die zwei anliegenden Finger weisen auf die Zweinaturenlehre Jesu Christi hin: wahrer Mensch und wahrer Gott.

Das Bild gibt den versammelten Gläubigen Richtung, die über den Tod hinausweist. Es symbolisiert Gericht und Gnade, ist daher Mahnung und Hoffnung zugleich.

Manfred Utz

 

Der Tassilokelch

Der Tassilokelch verdankt seinen Namen der Fußumschrift (+ TASSILO DUX FORTIS + LIUTPIRC VIRGA REGALIS), Tassilo tapferer Herzog (der Bayern) und Liutpirc aus königlichem Geschlecht (langobardische Prinzessin). Das Gefäß zeigt an der Cuppa Christus als Weltenrichter mit der Buchrolle des Lebens in der Hand. Er ist umgeben von den vier Evangelisten mit ihren Symbolen Mensch, Löwe, Stier und Adler. Die Brustmedaillons am Fuß des Kelches sind außer Johannes dem Täufer nicht eindeutig zu identifizieren: wahrscheinlich die Hl. Maria, der hl. Theoto und eventuell Theodolinde, eine Verwandte Tassilos. Der Tassilokelch ist wohl das kostbarste Stück agilofingischer Schatzkunst aus der Zeit um 768/69 und wird im Stift Kremsmünster aufbewahrt.

Anlässlich des 1250. Gründungsjubiläums der Erzdiözese München und Freising im Jahr 1989 konnte jede Pfarrei einen wertvollen liturgischen Gegenstand erwerben: Auf Anregung von Herrn Pfarrer Anton Schönauer beschloss der Pfarrgemeinderat, eine Nachbildung dieses wertvollen Kelches anzuschaffen. Auf der Nachbildung sind im Gegesatz zum Original auf der Fußleiste die Worte aus der Schlussdoxologie des Hochgebets: „PER IPSUM + CUM IPSO + IN IPSO“ eingraviert. Der Tassilokelch ist somit ein Zeichen für die Tradition und den Gang der Kirche durch die Zeit und wird an hohen Festtagen verwendet.

Manfred Utz

 

Der Tabernakel von St. Korbinian

„Tabernakel“ kommt vom lateinischen Wort „tabernaculum“, und wird wörtlich übersetzt mit „Zelt, Hütte oder Wohnsitz“. Die lateinische Bibelübersetzung gebraucht dieses Wort unter anderem im Buch Exodus (40,34) für das „Offenbarungszelt“, das von der Herrlichkeit Gottes erfüllt ist, und für die Wohnstätte Gottes unter den Menschen in der Offenbarung des Johannes (21,3). Nach katholischem Glauben bleibt Christus auch nach den Einsetzungsworten bei der Wandlung in der konsekrierten Hostie real präsent. Diese Hostien werden – nach heutiger Ordnung – an einem hervorgehobenen Ort in der Kirche aufbewahrt.

Die Bildhauerin Christine Stadler (1922-2000), die bei der Kirchenrenovierung im Jahr 1984 den Auftrag für die Neugestaltung des Altarraumes erhalten hatte, hat sich für eine „Tabernakel-Stele“ in vergoldeter Bronze entschieden, die einer großen „Sonnenmonstranz“ nachempfunden ist. Die klare Formensprache ihrer Kunst wird zur überzeugenden Art der Bildverkündigung: So ist das große Scheibenrund, die „Sonne“, ein Sinnbild für die ewige Dimension. Die Spitze des Stabes - die höchste Stelle im Altarraum – zeigt himmelwärts und verweist auf die höhere Bestimmung des Menschen: „Für die Erde geschaffen, für den Himmel bestimmt“. Der Schrein für die Aufbewahrung der Hostienschale ist dagegen eckig gestaltet und durchbricht das Symbol des Kreises. Er symbolisiert damit die irdische Dimension des Heils, nämlich die Menschwerdung Christi in dieser Welt und seine bleibende Präsenz. Die goldene Schalenöffnung im Zentrum des Schreins wird umgeben mit einem Strahlenkranz und spiegelt die Herrlichkeit Gottes wider. Der eingelegte Bergkristall weist in eine mystische Dimension und ist eine Metapher für Heil und Erlösung, für Harmonie und Vollkommenheit. Sechs kleine Kristalle sind auch im Ring am Fußende angebracht. Die Künstlerin zeigt in der Gestaltung des Tabernakels einen ausgesprochenen Sinn für die spirituelle Dimension der Formgebung und lädt die Menschen ein, vor dem Tabernakel zu knien und das Geheimnis unseres Glaubens im stillen Gebet zu betrachten und zu meditieren.

Manfred Utz