Gründonnerstag - 01.04.2021

Liebe Schwestern und Brüder,

ich bin froh und dankbar, dass wir uns heute, zu Beginn des Triduums Paschale, hier in unserer Pfarrkirche versammeln können.

Unsere Feier am Gründonnerstag, die Feier in Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu, findet zwar unter strengen Corona-Maßnahmen statt, aber sie findet statt. Ich hoffe, sie gibt Ihnen Kraft und Zuversicht. Ich hoffe, unser gemeinsames Beten und unsere gelebte Gemeinschaft, die uns mit der ganzen Welt verbindet, stärken uns.

Einmal noch sitzen die Jünger um Jesus. Einmal noch hat er sie eingeladen, zusammenzukommen, um das zu leben, was er in Wort und Tat verkündet hat und was die Jünger vom ersten Moment an fasziniert hat. Jesus hat sogar den Verräter an den Tisch geladen - auch hierin zeigt sich, dass Gott wahrhaft alle Menschen an sich binden möchte.

Zusammenkommen, sich in Liebe verbunden wissen und das Herz weit offen haben für Gott fernab von Macht, Egoismus und Gewalt. Das ist das Reich Gottes für Jesus und für diese Vorstellung ist er bereit, alle Konsequenzen auf sich zu nehmen.

Liebe Schwestern und Brüder,

all das wissen Sie natürlich. Die Menschen in unserer Welt haben es nach fast 2000 Jahren Christentum oft genug gehört. Vielleicht können sie es auch schon gar nicht mehr hören. Vielleicht sind angesichts endloser Debatten, Streitigkeiten und Konflikte besonders in diesem Jahr auch alle zu erschöpft, um vieles, was versteinert ist, aufzubrechen. Vielleicht ist alles schon zu oft gesagt worden und es ist dann beim frommen Reden geblieben.

Unsere Zeit ist von pausenloser Kommunikation geprägt. Wie viel bleibt von ihr übrig? Erinnern Sie sich noch an den Inhalt einer Stellungnahme – ganz egal von wem – aus dem an Stellungnahmen, Interviews und Pressekonferenzen so reichen Jahr 2020? (Hier wäre eine etwas längere Pause nötig und „dramaturgisch“ ratsam.)

Wie wäre es da, vom Tisch aufzustehen, ein Tuch zu nehmen und die Füße zu waschen? Jesus setzt sogar darauf, dass seine Jünger die Kommunikation, die vorher stattgefunden hat, und auch die Symbolik seiner Handlung, nicht verstehen.

Er sagt zu Petrus: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.“

Aus pädagogischer Sicht mag das ein katastrophaler Ansatz sein. Reden und handeln, aber selbst der eifrigste unter den Jüngern kann es nicht verstehen.

Verstehen wir es?

Verstehen wir die Kirche als Gemeinschaft, die den Menschen dient? Nicht uns selbst?

Verstehen wir die Kirche als Gemeinschaft, die auf Gott vertraut? Nicht auf uns selbst?

Helfen wir kompromisslos und selbstverleugnend? Oder tun wir es, weil wir uns selbst oder unserer Agenda dienen wollen?

Aber Jesus tut es trotzdem. Wir vergegenwärtigen ihn uns in jedem Jahr aufs Neue. Das ist kein leerer Kult. In der Feier vom letzten Abendmahl steckt alles, was wir brauchen.

Die Feier wird nur dann zum leeren Kult, wenn die Handlungen hier im Vakuum stattfinden, aber mit unserem eigenen Leben nichts zu tun haben.

Deshalb: Wenn wir wieder einmal nicht verstehen, was gesagt wird, was mitgeteilt wird stehen wir auf, nehmen das Tuch und dienen. Denen, wir damit helfen, kann es Zeichen sein. Zeichen für die Nähe Gottes in unserem Leben. Zeichen für die Hand, die er nach uns ausstreckt.

Der Rest liegt dann in Gottes Händen.

Vertrauen wir ihm uns an so wie Christus sich seinem Vater nach dem letzten Abendmahl anvertraut hat. Es hat Jesus in seinem Leiden, an das wir uns morgen erinnern werden, gestärkt. Wie sehr haben diese Stärkung heute die nötig, die wegen Corona oder anderen Krankheiten mit dem Tod ringen.

Beten wir für Sie und dienen ihnen damit, wenn wir leider keine andere Möglichkeit dazu haben.

Amen.

Pfarrer Johannes Streitberger